Unterwegs mit klein und groß

Wer selbst kleine Kinder hat oder zumindest ihnen und ihren Eltern ab und zu mal begegnet, hat es vielleicht selbst schon einmal beobachtet.

Es ist Nachmittag und die Kleinen drehen in den eigenen vier Wänden langsam aber sicher durch. Was bleibt einem also anderes übrig als sich an allen Hundebesitzern ein Beispiel zu nehmen und auch bei Wind und Wetter rauszugehen. Die Sprößlinge sind schnell wetterfest verpackt und los geht’s.

Aus der Distanz betrachtet mag das Folgende wie ein entspannter Familienausflug aussehen. Mein Schwiegervater nannte es dagegen immer „Spazieren stehen“. Die Eltern laufen auf den Wegen und wollen „ihre Runde drehen“, während die eigene Leibesfrucht nur zufällig mal einen Fuß auf den Weg setzt und ansonsten auf der Suche nach Stöcken/Steinen/Schätzen durch Wald und Wiesen stromert. Man ist gemeinsam unterwegs.

Mich erinnert dieses Bild an meine eigenen Kinder. Ganz konkret habe ich das in den letzten Jahren auch oft so erlebt. Aber auch im übertragenen Sinne erlebe ich es gerade wieder. Der Große ist gerade in die Schule gekommen und ist jetzt ganz stolz lesen, schreiben, rechnen und vieles mehr zu lernen. Die Kleine wird bald vier und himmelt ihren großen Bruder und alles was er macht an.

Ich denke das Bild noch einen Schritt weiter: Mein Schulkind lernt jetzt auf festen Wegen in eine vorgegebene Richtung. Die Lernfreude ist groß, wird jedoch begrenzt durch äußere Zwänge: das frühe Aufstehen, die Hausaufgaben, die Ansprüche es ordentlich und richtig machen zu müssen, der feste Rahmen. Zu aller Lust und Motivation gesellt sich dann auch gerne mal Unlust, Müdigkeit und Es-trotzdem-machen-müssen.

Mäuschen lernt mit. Sie schaut sich zum Beispiel das Erkennen und Zusammenschleifen der Buchstaben beim großen Bruder ab und macht es auch. Mit einem Leuchten in den Augen und platzend vor Stolz zeigt sie uns was sie kann. So nebenbei. Weil es Spaß macht.

Schule zwingt die Kinder auf feste Wege, während sie eigentlich singend, tanzend und hüpfend durch das dichte Unterholz stapfen wollen. Sie zeigt in eine feste Richtung, auch wenn es woanders gerade viel spannender erscheint. Und sie mahnt stets zum Fortschritt, lässt keine Ruhe zum Verweilen (Leistung = Arbeit x Zeit), während die Kinderaugen fragen: Wohin denn weiter?

Vielleicht sollte ich als LernWegWeiser nicht nur auf Wege zeigen, sondern auf Plätze und Orte, die zum Lernen, Austoben, Spielen, Verweilen, Sich-Wohlfühlen und Gerne-hier-sein einladen.

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