Mein Weg als Weiser

Mit diesem Beitrag starte ich eine neue Serie. Hier will ich meinen Weg als Lehrer skizzieren. Ich werde von guten und von schlechten Erfahrungen berichten, von praktischen Unterrichtsbeispielen und warum sie schief gegangen sind. Ich werde schreiben, was ich ausprobieren möchte und wie ich es umsetze. Wer mag, kann sich gerne mit mir auf den Weg machen.

Vorab ein kurzer Rückblick. Als Lehrer bin ich schon ein paar Jahre unterwegs. Es begann vor einiger Zeit mit meinem Referendariat. Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt jemanden gibt, der sich gerne an diese Zeit erinnert. Wenn ja, ich gehöre nicht dazu. Diese zwei Jahre erlebte ich als eine Zeit, in der ich mit vielen Anforderungen konfrontiert wurde, denen ich niemals gerecht wurde. Ich bekam ein festes Schema gelehrt, in das ich mich, meine SuS und meinen Unterricht pressen musste. Je besser ich das schaffte, desto „besser“ war mein Unterricht. Ich scheiterte oft kläglich und schaffte es doch irgendwie.

Die Jahre nach meinem Referendariat waren geprägt von dem Verlangen und dem Versuchen weiterhin diese Anforderungen zu erfüllen. Ich wollte guten Unterricht machen, war aber immer unzufrieden. Einzelne Aspekte konnte ich zwar verbessern, aber das war wie der Sprung von ungenügend nach mangelhaft.

Vor ungefähr einem Jahr lernte ich von einer Kollegin das Konzept des Integrierten Offenen Unterrichts (Werbung) kennen, welches zwei meiner Kolleginnen schon seit vielen Jahren praktizierten. Das war es, wonach ich immer suchte.

Ich betrat den Kontinent „Offener Unterricht“. Voller Begeisterung und Naivität sprang ich ins kalte Wasser und warf alle Regeln über Bord, die mich schon immer genervt haben. Ab sofort gab es bei mir keine Sitzordnung und keine Toilettenregeln, dafür viel freie Arbeitszeit (Frazi). Damit fühlte ich mich wohl. Ich fühlte mich frei, endlich so unterrichten und arbeiten zu können, wie ich es für richtig und sinnvoll hielt.

Die Kinder meiner Klasse konnten dieser Veränderung nur mit Mühe folgen, auch wenn sie es schnell genossen. Sie brauchten einige Wochen, um sich sicher zu fühlen. Einher mit der gegebenen Freiheit forderte ich konsequent die Übernahme der damit einhergehenden Verantwortung ein (Link). Das sah dann so aus, dass ich den Kindern Freiheit gab, aber sie trotzdem bitte das machen sollten, was ich für sinnvoll hielt, sonst fand ich es verantwortungslos.

Damit begann mein innerer Weg zum Offenen Unterricht. Ich lerne, die unterschiedliche Arbeitsweise der Kinder zu sehen und wert zuschätzen, offene Aufgaben für kreatives Arbeiten zu stellen, unterschiedliche Lerntempo zu tolerieren, usw. Heute nutze ich Frazi viel stärker für individuelle Förderung und genieße dabei die sichtbaren Lernfortschritte der Kinder.

Vor wenigen Wochen wagte ich den nächsten Schritt zu diesem „Twitter“. Seit mehreren Jahren lese ich den Halbtagsblog. Darin kam auch ab und zu dieses „Twitterlehrerzimmer“ vor, was ja soo toll sein soll. Ich konnte mir das nicht vorstellen, was man mit 280 Zeichen sinnvolles schreiben kann und was mir das bringen soll…
Nun ja, hier bin ich. Jetzt sogar als Blogger und ich gehe hier nicht mehr weg.

Das Twitterlehrerzimmer gab mir neue Denk- und Mach-Anstöße. Bisher hielt ich mich mit dem für mich neuen Konzept für sehr innovativ, progressiv und toll. Nun merkte ich, dass schon viele so oder ähnlich arbeiten und noch dazu digitale Medien nutzen. Leidenschaftlich geführte Diskussionen regten mich an, meine eigene Theorie und Praxis zu überdenken, zu vertreten, zu reflektieren und vielleicht zu verändern.

Wieder fange ich an zu denken, zu hinterfragen, zu suchen und auszuprobieren. Neue Aufgabenformate, neue Artikulationsschemata, neue Kompetenzen, die ich von meinen SuS fordere. Es ist spannend. Vieles kann ich noch nicht, viele Ideen warten noch auf ihre Umsetzung.

Der Weg ist lang und beschwerlich. Oft habe ich den Eindruck ihn allein zu gehen. Mich neben aller Zeit, die ich für Korrekturen, Vorbereitungen und den alltäglichen To-Do-Listen-Bergen brauche, gar nicht um die Erneuerung meines Unterrichts kümmern zu können. Oft scheinen mir andere viel weiter. Sie haben schon tolle Ideen entwickelt und umgesetzt, halten Fortbildungen, besuchen Kongresse, schreiben Bücher, sind vernetzt.

Manchmal wird mir aber auch bewusst, dass wir alle unseren Weg gehen. Jeder probiert aus, macht Erfahrungen, teilt Wissen und Können. Das macht Spaß, das macht Mut, ich mache mit.

Ende des Rückblicks – Beginn des Ausblicks
Meine neue Serie wird mein Weg als Weiser. Was ich in Zukunft für Ideen habe, werde ich hier aufschreiben und auswerten. Vielleicht macht es jemanden Mut auch manches auszuprobieren und ein Scheitern in Kauf zu nehmen, vielleicht findet jemand anderes Anregungen und Ideen und wer sich an meinem Scheitern freut, um sich selbst besser zu fühlen ist auch herzlich willkommen.

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