Stolperstein IV – #breakoutedu, 1. Fall

Diese Woche war es endlich soweit. Ich habe mit meiner 4. Klasse meinen ersten #breakoutedu durchgeführt. Wie hier beschrieben, habe ich in den Ferien lange daran geplant und alles vorbereitet. Entsprechend hoch waren meine Vorfreude und meine Erwartungen.

Und entsprechend hoch war auch meine Ernüchterung. Wie so oft, wenn ich etwas Neues ausprobiere, läuft es halbwegs, aber es gibt auch noch viel Verbesserungspotential. Aber von vorne:

In der Pause, als die Klasse auf dem Pausenhof war, stellte ich im Klassenzimmer die Schatzkiste bereit und hängte die Rätsel an die Tafel. Bewusst gab ich keinerlei Hinweise und wollte die Klasse einfach überraschen und schauen, wie sie vorgehen. (Ich weiß: Da ist ein Scheitern vorprogrammiert.)

Als die Kinder nach der Pause wieder ins Klassenzimmer kamen, entdeckten sie natürlich sofort die Schatzkiste und inspizierten sie genau. Der erste Impuls einiger Kinder bestand wie erwartet darin, die Schlösser knacken zu wollen. Nach und nach registrierten immer mehr Kinder aber auch die Rätsel an der Tafel.

Von meinen ursprünglichen Planungen bin ich nur minimal abgewichen. Den Einstieg an der Tafel bildete ein QR-Code, ein Hinweisblatt und die Rätsel.

Der QR-Code führt zu einem passwortgeschützten Ordner auf OneDrive, in dem die 2. Aufgaben liegen. Für euch habe ich jetzt auch noch ein paar Materialien mit hochgeladen.
Das sind zum einen die selbsterstellten Suchsel (statt Kreuzworträtsel) und der Lesetext samt Aufgaben, die ich bei meinem letzten Blogeintrag noch nicht fertig hatte. Als Lesetext habe ich die Seiten 12-14 und 25-27 vom Material von kinderrechte.rlp.de (pdf) genommen.

Die Kinder gingen sehr unterschiedlich mit der ungewohnten Situation um. Einige haben sich sofort auf die Schatzkiste gestürzt und versuchten diese zu öffnen, andere tasteten sich vorsichtig an die Rätsel heran. Nach und nach suchte sich jedes Kind ein Rätsel, Gruppen und Partner fanden sich. Es wurde gepuzzelt, ausprobiert, diskutiert. Lange empfand ich diese Arbeit als wenig zielführend, weil alle so vor sich hingerätselt haben, aber die grobe Struktur nicht verstanden und die Klasse auch kaum zusammenarbeitete.

Nach einer Weile gab es den ersten Tief- /Höhepunkt. Ein Gruppe von Kindern, die die ganze Zeit damit beschäftigt war, die Truhe ohne Rätsel zu lösen, hatte es geschafft, die Kette zur Seite abzustreifen und die Kiste so zu öffnen. Zum Glück konnte ich schnell genug reagieren und unterbrach die Aktion. Als alle auf ihren Plätzen saßen, stellte ich die Klasse vor die Wahl weiterzurätseln oder die Kiste zu öffnen und fertig. Zu meiner Freude wollten (fast) alle weitermachen. Ich gab ein paar strukturelle Hinweise und weiter ging es. Leider ließen sich auch jetzt eine handvoll Kinder immer noch nicht dazu bewegen, sich an den Rätseln zu beteiligen, statt die Schlösser knacken zu wollen. Ich „sicherte“ die Schatzkiste mit einem einfachen, kleinen Schloss und ließ sie gewähren.

Besonderen Spaß machte es mir eine andere handvoll Kinder zu beobachten, die sich langsam durch die Rätsel dachten. Sie entdeckten meinen Suchsel-Trick, sammelten alle gefundenen Buchstaben und knobelten den Lösungssatz aus. Die Freude und Begeisterung, mit der sie bei der Sache waren, war echt toll zu sehen.

Leider folgte jetzt der finale Tiefpunkt. Als das Rätselteam gerade den Lösungssatz als Passwort eingab, schaffte es ein Kind, das billige kleine Schloss zu öffnen und die Schatzkiste war auf. Noch bevor ich reagieren konnte, war der Preis verteilt.

In der anschließenden Reflexionsrunde zeigte sich der Großteil der Klasse begeistert von der Stunde und sie waren stolz darauf, dass sie es geschafft hatten, die Kiste zu öffnen. Die Rätselkinder waren etwas enttäuscht, da sich ihre ganze Arbeit nicht gelohnt hatte.

Bei mir blieb Ernüchterung. Für mich war es eine besondere Stunde, in die ich viel investiert habe und von der ich mir mehr erhofft hatte. Mein Plan, alle Kinder an den Rätseln zu beteiligen ging nicht auf. Stattdessen zeigte sich meine Klasse, wie sie immer ist: ein paar arbeiten fleißig mit, einige haben keine Lust, der Großteil beteiligt sich durchschnittlich und eine handvoll Kinder rebelliert gegen das System. So wie immer… Am meisten ärgert es mich, dass die Kinder es tatsächlich geschafft haben, die Kiste ohne die Rätsel zu lösen.

Nach einem kurzen emotionalen und motivationalen Tief beschloss ich aber, mir von ein paar halbstarken Möchtegern-Panzerknackern nicht den Spaß verderben zu lassen. Ich bin ja nicht blöd und kann aus meinen Fehlern lernen. Das nächste Mal mache ich es anders. Entweder sichere ich die Kiste besser, oder sie müssen sie erst suchen, oder sie ist einfach (scheinbar) leer. In meinem Kopf schwirren schon wieder so viele Ideen herum, dass ich sie einfach ausprobieren muss. Und selbst wenn die Klasse nicht so sehr darauf anspringt, wie ich es mir wünschen würde, sammel ich weiter Erfahrungen, die ich dann mit meiner nächsten Klasse oder in einer AG umsetzen kann.

Der nächste #breaktoutedu ist schon geplant und wird in ca. zwei Wochen mit einer Hochbegabten-AG durchgeführt. Ich werde berichten.

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