Mein Weg zum flipped classroom

Ich bin nun schon seit einiger Zeit auf meinem Stolpersteinweg unterwegs und sammle da so meine Erfahrungen. Ich probiere viel aus, scheitere, reflektiere und verändere. Meine Klasse hat sich inzwischen daran gewöhnt und ist ebenso offen für Neues wie ich.

So langsam wächst in mir jedoch auch das Bedürfnis, all diese Erfahrungen und Ansätze zu strukturieren und in ein umfassendes Konzept zu bringen. Ich will nicht mehr länger ziellos umherirren, sondern eine bestimmte Richtung einschlagen, in die ich mich dann aufmache.

Vor gar nicht langer Zeit habe ich das Konzept des flipped classroom für mich entdeckt. Auch wenn ich ihm schon vorher ab und zu mal begegnet bin, habe ich doch lange bezweifelt, dass das was für die Grundschule taugt: zu offen, zu viel Medienkompetenz vorausgesetzt, zu anspruchsvoll für die Grundschüler.

Trotzdem ist es mir nie aus dem Kopf gegangen und ich habe einzelne zaghafte Versuche in diese Richtung unternommen. Mal habe ich offene Aufgaben gestellt und geschaut, wie meine Klasse damit klarkommt. Ein anderes Mal habe ich Hausaufgaben aufgegeben, die die Kinder online lösen mussten um zu schauen, wie viele Kinder zuhause die nötige technische Ausstattung haben und wie hoch die Akzeptanz von Eltern und Horten für solche Aufgaben ist. Die Ergebnisse all dieser Versuche waren so positiv, dass ich es wagen kann weiterzudenken.

Nebenbei erkannte ich, dass die Grundzüge des flipped classroom sehr gut zu meinem restlichen Unterricht und meinen Vorstellungen von Erziehen und Unterrichten passen. Die Offenheit des Unterrichts, die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Kinder, die Freiheit für mich als Lehrer sind genau das, was ich mir vorstelle und wünsche.

Also mache ich mich jetzt hiermit auf den Weg, das Konzept des flipped classroom in der Grundschule für mich zu adaptieren. Es wird wohl wieder ein Stolpersteinweg werden, auf dem ich viel ausprobieren werde, scheitere, Erfahrungen sammle und voran komme. Ich will schauen, unter welchen Bedingungen dieses Konzept in der Grundschule sinnvoll und gewinnbringend verwirklicht werden kann und welche Form des flc sich eignet.

Erste Gehversuche waren vielversprechend. Meine Videos zum Satz des Tages werden von den Kindern angenommen, zuhause oder im Unterricht selbstständig bearbeitet und sogar in den Parallelklassen geliebt. Der Aufwand bei der Erstellung der Videos hält sich im Rahmen und es macht Spaß, sie kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Auch eine kurze Einheit zum Nomen in den 4 Fällen in Deutsch hat mich positiv überrascht. Ich habe die vier Erklärvideos von sofatutor rausgesucht und für die Kinder freigegeben. Die Freigabelinks habe ich in QR-Codes umgewandelt, die ich an der Tafel präsentierte. Die Kinder bekamen die Aufgabe, sich die Videos anzuschauen und einen Hefteintrag dazu zu gestalten. Es folgte eine lange, hochkonzentrierte Stille. Coronabedingt hatte ich meine Klasse in zwei Gruppen geteilt. In der ersten Gruppe taten sich die Kinder noch schwer bei der Erstellung der Hefteinträge. Die anschließende Reflexion zeigte den Verbesserungsbedarf. Daraufhin habe ich weitere Kopfhörer für die Klasse gekauft, sodass jedes Kind einen hatte. Außerdem habe ich der zweiten Gruppe ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben. Die Kinder sollten die Videos mehrmals schauen und bei Bedarf pausieren. Dadurch taten sie sich wesentlich leichter im Erstellen der Hefteinträge. Bei der Kontrolle der Hefte fiel mir auf, dass die Einträge sehr unterschiedlich sind, aber doch meist alles Wichtige aufgeschrieben wurde.

In der kommenden Zeit werde ich also weiter in Richtung flipped classroom in der Grundschule unterwegs sein. Ich werde vieles ausprobieren und hier und auf Twitter davon berichten. Ich bin gespannt, wie mein Unterricht am Ende aussehen wird. Noch sind viele Fragen und Wünsche offen.

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