Ein Zwischenstopp auf meinem Weg zum flipped classroom in der Grundschule

Vor einem halben Jahr habe ich hier auf meinem Blog geschrieben, dass ich mich auf den Weg zum flipped classroom in der Grundschule gemacht habe. Seitdem ist viel passiert und ich möchte hier einmal einen kurzen Zwischenstand geben, was ich bis jetzt erreicht habe und was noch vor mir liegt.

In den letzten Monaten habe ich sehr viel über den flipped classroom nachgedacht. Inzwischen fühle ich mich sehr wohl mit dem Konzept und es gefällt mir gut. Gleichzeitig habe ich aber auch sehr deutlich festgestellt, dass die Idee des flipped classroom nicht einfach von Hochschulen oder weiterführenden Schulen auf die Grundschule übertragen werden kann. Es muss vieles anders laufen. Manchmal komme ich dann ins Stocken und überlege, ob das was ich da mache, überhaupt noch flipped classroom ist.

Wichtig sind mir eine große Offenheit meines Unterrichts, in dem die Schülerinnen und Schüler zur Eigenverantwortung und Selbstständigkeit herausgefordert werden. Das ist die Grundlage für alle weiteren Überlegungen und Anstrengungen. Da ich in diesem Schuljahr wieder eine 3. Klasse übernommen habe, ist in dieser Hinsicht erst einmal wieder viel Vorarbeit nötig. Die Kinder müssen es lernen, offen zu arbeiten und sich selbst zu organisieren. Bei manchen geht das schnell und sie genießen die Freiheit, andere sind überfordert oder nutzen es aus.

Corona macht das alles nicht einfacher, weil offener Unterricht nicht ohne kollaboratives Arbeiten auskommt. Viele Ideen kann ich so nicht ausprobieren und meinem Unterricht wird ein ganz wichtiges Element genommen.

Das alltägliche Arbeiten mit digitalen Medien im Unterricht stellt mich vor ungeahnte Herausforderungen. Die Technik mag selten so, wie ich es brauche und das frustriert nicht nur mich, sondern auch die Kinder. Leider werde ich dadurch noch weiter eingeschränkt. Erleichtert merke ich aber, wie die Kinder immer kompetenter in der Problemlösung werden, mich seltener brauchen und Tablets inzwischen als normale Arbeitsmittel betrachten.

Durch das intensive Erarbeiten meiner Idee des flipped classroom in der Grundschule bin ich inzwischen überzeugt, dass es ein sinnvolles Konzept für die Grundschule sein kann. Sicher ist es nicht jedermanns Sache, aber als Lehrkräfte können wir uns ja aussuchen, wie wir unseren Unterricht gestalten wollen. Gerade die große Heterogenität in den Grundschulklassen erfordert ein hohes Maß an Differenzierung und Individualisierung, für die der flipped classroom Tür und Tor öffnet. Der Einsatz interaktiver und audiovisueller Medien für Erklärungen und Übungen kommt gerade Kindern mit hohem Förderbedarf zugute.

Schwer zu schaffen macht mir gerade die technische Ausstattung. Meine Schule verfügt zwar über viele Geräte, diese sind aber teilweise für den Einsatz in der Grundschule genauso ungeeignet wie die Bandbreite des Internetanschlusses. Zuhause sind die Kinder in der Regel noch von den Geräten der Eltern abhängig. Diese sind nicht immer verfügbar. Außerdem stellt es sich als extrem schwer heraus, Lösungen zu finden, die auf allen Betriebssystemen und Gerätegrößen funktionieren.

Bei der Auswahl von Tools und Programmen, die ich einsetzen möchte, bin ich auf einem guten Weg. Ich versuche mich da auf wenige Angebote zu beschränken. Als zentrales Tool hat sich bei mir Microsoft Teams etabliert, da ich hier nicht nur einen schnellen und engen Kontakt zu den Eltern pflegen kann, sondern auch die Kinder per Videokonferenz erreiche, Aufgaben verteilen, Material zur Verfügung stellen und Rückmeldung geben kann.

Weiterhin nutze ich gerne die Anton App (auch wenn sie manchmal nicht erreichbar ist), den Book Creator (auch wenn der Zugriff von Smartphones und Tablets sich teilweise schwierig gestaltet) und sofatutor (auch wenn es teilweise echt komische Videos sind). Mit großem Spaß entdecke ich gerade die H5P-Welt. Die Erstellung interaktiver Inhalte ist zwar relativ aufwendig, reduziert aber das passive Konsumieren und erhöht die Motivation.

Mein Zwischenstand ist also, dass ich die Idee des flipped classroom auch in der Grundschule sinnvoll einsetzbar finde, wenn er gut durchdacht und adaptiert ist. Wie das im Detail bei mir aussieht, veröffentliche ich später auf anderem Weg. Ich probiere weiterhin viel aus und entdecke ständig Neues. Da bin ich auf einem guten Weg.

Vor mir liegt aber immer noch ein gutes Stück Weg. Viele Ideen, die ich habe, probiere ich aus. Oft geht irgendetwas schief. Dann muss ich darüber nachdenken und Alternativen finden. Bis ich diese wiederum ausprobieren kann, vergehen oft mehrere Wochen.

Ständig hinterfrage ich meinen Unterricht und überlege wie ich ihn verbessern kann. Dann entwickle ich mich in eine Richtung und muss dabei immer wieder für mich überprüfen, ob das noch sinnvoll und gut ist. Das produziert viele Zweifel, die ich nicht verdrängen, sondern ausräumen will.

Gerade kreisen meine Gedanken viel um die 4K. Wie kann ich Kollaboration, Kommunikation, Kreativität und kritisches Denken fördern? Sicher ist es in der Grundschule nur in Ansätzen und auf einem relativ geringen Niveau möglich. Aber trotzdem will ich es anbahnen und zumindest meinen Unterricht so gestalten, dass ich dafür Raum eröffne. Da fehlen mir noch Ideen. Flipped classroom soll ja auch in der Grundschule nicht nur der Einsatz von Erklärvideos sein. Es muss mehr sein.

Es bleibt also spannend. Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg ein gutes Stück vorangekommen und nähere mich dem Ziel. Wie ich mich kenne, werde ich da nie ankommen, sondern immer weiter gehen.

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